Das war ein intensiver Sommer im Wiesennetz. Es gibt Grund zum Jubeln: lässige Spontan-Teams, feine Schmetterlinge, gesprächsfreudige Zaungäste, und ein kleiner Kern an Wiederholungs-MäherInnen haben sich auf den Wiesen getroffen. Es steuert in Richtung Artenvielfalt und Gemeinsamkeit. Auf den Wiesen geht es ums Aufhören mit den lauten Killermaschinen und Anfangen mit dem differenzierten Hinschauen, Hinhören und Aufeinander-Aufpassen. Sensenmähen ist ein Plädoyer für das Leben und gegen die Dezibelisierung der Welt. Und über den Sommer hab ich auch ein paarmal in Privatgärten „fremdgemäht“, wovon mir ein Treffen besonders in Erinnerung geblieben ist. Eine Mühlviertlerin mit Hof und Familie greift jetzt selbstbewusst zur Sense, obwohl sie trotz bäuerlichem Hintergrund bei Null anfangen musste. Die Fundamente des Mähens und Dengelns hat sie in zwei intensiven Treffen mit mir gelernt. Die Lunte ist ausgelegt, denn sie selbst hat drei Kinder und der Stillstand einer Generation ist durchbrochen…




Heuer war auch das erste Vielfalter-Jahr in Linz Dornach. Schmetterlinge bestimmen, zählen, die Daten online nach Innsbruck zu den Spezialisten senden. Das Monitoring macht Sinn und der Anblick der Tiere erzeugt eine tief in meinem Inneren entstandene Freude, die ich ganz dringend brauche als Ausgleich zu allen möglichen Fürchterlichkeiten dieser Zeit. Sie sind noch da, die Falter, und ich kann sie fördern. Und wenn ich im Zeitlupentempo durch die Wiese pirsche, um die Tagfalter zu entdecken, stobt um meine Beine die Hundertschaft der Heuschrecken. Diese Menge hab ich nie, wirklich nie auf den konventionell geschnitten Wiesen.








Freilich ist mir klar geworden. Wenn man die Sense als Instrument der Wahl ernsthaft in der Stadt etablieren will, ist man so sehr auf Hilfe angewiesen. Kirchengemeinden, Institutionen, Stadtpolitik, alle möglichen Menschen, die Ja sagen und das Potential erkennen. Wenn nicht viele die Idee Sensenmähen fördern, wird sich die Stadt nicht verändern, denn im Alleingang geht es nicht. Es besteht die Gefahr, selbst-referentiell zu sein, immer nur auf kleinen Fläche mit wenigen Menschen zu mähen, die sowieso schon in Richtung Transformation unterwegs sind. Da ist auch Schule angesprochen.
Es ist wie Musikmachen, Bäume pflanzen und Radfahren
Jedes Kind sollte Zugang zu einem artenreichen Garten mit einer sensengemähten Wiese in der Nähe haben, und eine zukunftsfähige Behandlung unserer Grünräume wieder zum Alltagswissen werden. Ist dies der Stadt zumutbar? All die wilden Flecken, die ständig in einem Prozess sind, mit nicht-gemähten Streifen, die auch mal nach dem Regen liegen? Das Konventionelle, Gewohnte ohne optische Herausforderung, das Erfüllen der Erwartung vom ständig Glattgrünen bringt uns echt nicht mehr weiter. Wenn jemand die Sense nicht mag, weil er als Kind zu oft damit arbeiten musste, ist das Desinteresse verständlich. Aber sie klein zu reden für die nächste Generation ist schade. Die Gesellschaft lässt ja auch nicht alle Violinen und in Folge auch die Geigenlehrerinnen in der Versenkung verschwinden, nur weil es ein paar Eltern in deren Kindheit nicht mehr gefreut hat zu üben. Was für eine traurige Vorstellung! Musikmachen ist absolut unverzichtbar. Artenvielfaltspflege kann in der Gesellschaft einen ähnlich hohen Stellenwert erreichen, was meinst du?
Es wird ein bisschen dauern, bis viele ganz selbstverständlich zur Sense greifen statt zum Rasenmäher. Doch was heute utopistisch, für manche sogar skurril anmutet, wird vielleicht bald normal sein. Wenn dich das Sensenmähen in Linz interessiert, lade ich dich ein, beim nächsten Treffen mitzumachen, Termine findest du hier.


3 Antworten zu “Good vibrations!”
Liebe Hedda,
super, dass du das in unserem Viertel organisierst. Sieht toll aus, wenn auf den Wiesen wieder Blumen stehen und tut – wie man an deinen Bildern sehen kann – der Artenvielfalt gut.
Ich hoffe, dass die vorbildlichen Flächen viele Nachahmer_innen finden, und auch bei uns noch größere Flächen mit der Sense gemäht werden, anstatt dass der Rasenmäher stinkend, laut und alles ruinierend viel zu oft drüberbrettert.
Ich bin überzeugt, dass sich das Schönheitsempfinden auch bei denen, die jetzt noch den überkommenen Rasen wollen, der eher nach Plastikteppich als nach Natur aussieht, rasch ändert. Denn eine herrliche Blumenwiese ist eben nicht nur viel gesünder und besser für unser aller Umwelt, sondern auch viel farbenfroher und schöner.
Liebe Grüße
Herbert
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Danke für dein schönes Feedback! Liebe Grüße aus dem Wiesennetz 😀
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Liebe Leute!
Wir sind beeindruckt von Eurer Initiative, Biodiversität durch Sensenmähen zu ermöglichen. Einen Teil unserer Pfarrwiese würden wir ab dem kommenden Frühjahr auch gerne dafür zur Verfügung stellen. Könnt Ihr Euch da eine Kooperation vorstellen?
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