Mähen außerhalb des Privatgartens

Hauhechel-Bläuling

Eine Ausrüstung zur Sensenmahd kann sich jede/r kaufen: Sensenblatt, Wurf, Kumpf und Wetzstein. Wenn du schon „sensifiziert“ bist, braucht es bald mehr als den eigenen Vorgarten, um zu üben und sich das Flow-Erlebnis zu ermöglichen. Aber woher kriegst du eine Fläche ? Als Guerilla-Methode in der Stadt eignet sich das Sensenmähen nicht wirklich. Der Rasenmäher hat drei mal oder öfter gemäht, bevor du deine Sense im Sommer gezückt hast.

Mähen auf Flächen, die nicht dein Eigentum sind, ist illegal. Soviel zur Rechtslage. Du brauchst das Einverständnis des Grundeigentümers. Der einfachste Weg: mach bei der nächsten Mäh-Aktion im Wiesennetz Univiertel mit.

Aubrunnerwegwiese im Juni 2022
Aubrunnerwegwiese im Juni 2022

Wenn du zu den Wiesenmacher:innen, etwa in einer Wohnhausanlage, gehören möchtest, lies jetzt weiter

Eine gemeinsam handgemähte Fläche kann sehr viel für Zusammenhalt oder Entwicklung der Hausgemeinschaft tun. Nachbarn kommen ins Gespräch. Es entsteht etwas, was immer seltener wird: man braucht einander und hilft zusammen.

Du brauchst aber einen gewissen Konsens in der Hausgemeinschaft. Das kann durchaus eine heikle Angelegenheit sein. Du bist mit den naturnahen Grünflächen nämlich sehr exponiert, und spätestens, wenn du mit der Sense im Gras steht, kann alles mögliche passieren, von Kopfschütteln bis zur Anerkennung.

Jeder Mensch hat andere Sehgewohnheiten und Empfindlichkeiten

Da sagt der erste, dass es Zeit ist, das Unkraut zu entfernen, der zweite, dass du düngen musst, der dritte, dass die Wespen alle aus der Wiese kommen. Mancher nennt dich vielleicht „Gut-Mensch“. Es kann dir auch passieren, dass du von Menschen plötzlich geduzt wirst, mit denen du seit 20 Jahren per Sie bist. Meistens freuen sich die Menschen über eine Wiese, und finden die Mahd mit der Sense interessant. Weil es sie an „früher“ erinnert, oder weil sie die Notwendigkeit von treibstofffreiem und diversitätsförderndem Tun vor der Haustüre verstanden haben.

Wem gehört die Fläche?

Schau ins Grundbuch, frag Nachbarn, frag die Hausverwaltung. Du brauchst eine Nutzungsvereinbarung o.ä. Triff dich mit dem Grundeigentümer, der Grundeigentümerin mit einem Plan. Sie/Er wird dich vielleicht fragen: was hab ich davon, was kostet mich das, welche Probleme kann ich mir einhandeln. Insektenrettung interessiert kaum, im Vordergrund liegt meist die Kostenfrage.

Wo stört hohe Wiese nicht?

Natürlich muss es heißen: wo brauchen wir Wiese? Nutzungskonflikte sind Realität, es gilt, sie vorsichtig zu umschiffen. Wiese ist super auf wenig begangener Fläche. Keine gute Idee ist hohe Wiese, wo die Nachbarn Wäsche aufhängen, aus dem Auto aussteigen, Fußball spielen, Klappstühle aufstellen und sich traditionelle Gehrouten über den Rasen eingebürgert haben. Ungünstig kann Wiese auch direkt neben Straßen und Wegen sein, die Wiese hängt bei Nässe über. Einfach beobachten, wann und wo sich das (Menschen)Leben abspielt, damit du die Nachbarinnen erfreust und nicht ärgerst mit deinen Wiesenplänen. Überall, wo nicht begangen oder bespielt wird: Wiese. Selbst wenn es ein 5 m² großes Stück ist, das du mit der Sense in ein paar Minuten gemäht hast, kleine Stücke läppern sich.

Sprich mit deinen Nachbarn und fühle vor, wie sie zum Thema stehen, streue Infos über Wiese und Sensenmahd aus. Da könnten plötzlich ehemalige Landjugend-Sensenmäher:innen aufpoppen, und Menschen, die eigentlich eh schon immer handmähen wollten. Wenn einige Nachbarn noch skeptisch sind: fang mit einem kleinen Stück an und dehne in den nächsten Jahren ein bisschen aus. Stell auch ein Info-Schild auf.

Schau bei Flächen, die du aufwerten willst, welche Pflanzen von selber da sind. Grünflächen um die Häuser werden oft nur gemäht, aber nicht gedüngt, das hilft. Denn je magerer der Boden, desto schöner kann die Wiese werden. Glaube nie Nachbarn, die von „schlechten Böden“ sprechen, auch wenn du diese Nachbarn noch so magst. Die sind meistens Nachfahren von Mühlviertler Bauern, die gelitten haben unter kargen Böden. Wir produzieren keine Lebensmittel für uns selbst, oder Eiweißgras für die Kühe, sondern fördern Biodiversität. Also lass die Wiese ruhigen Gewissens mager sein!

Denke in großen Zeiträumen

Aus eigener Erfahrung weiß ich: es kann nicht schnell genug gehen mit Blütenpracht und Schmetterlingen. Wir haben jahrzehntelang Insekten, Vögel & Fledermäuse dezimiert, nun werden wir sie wieder zurückholen, das geht aber nicht auf Knopfdruck. Dokumentiere die Lebewesen deiner Wiese von Anfang an, mach Fotos und melde deine Funde (z.B. in der App Naturbeobachtung.at). Du wirst deinen Blick schärfen und baust Kenntnisse auf, die am Aussterben sind.

Falls du eine Neuanlage planst: Widerstehe lieber der Versuchung, eine bunte Supermarkt-Versprechenswiese anzulegen, damit alle schnell zufrieden sind. Die ist zwar im ersten Jahr schön knallig, aber das war es meistens auch schon. Besser ist eine Mischung mit mehrjährigen Wildpflanzen (z.B. aus dem Rewisa-Netzwerk), die oft richtige Spätentwickler sind. Das erste Jahr kann hart sein, denn du wirst von der Nachbarschaft hören: wo sind denn jetzt die Blumen? Ab dem zweiten Jahr wird es leichter.

Das Heu

Es ist deprimierend: das Heu wird entsorgt, während sich im Supermarkt die in Plastik verschweißten Heubinkel für die Haustiere stapeln. Tatsache ist, dass das Stadtheu (noch) nicht verfüttert, sondern entsorgt wird. Wir mähen also für die Tonne? Nein, denn Insekten können aus dem Heu flüchten, während es im Rasenmäher geschreddert und abgesaugt wird. Eine Wiese muss abgerecht werden, Heu auf der Fläche liegen lassen geht gar nicht. Also: Heu abrechen und zu Heuhaufen schichten.

Falls du das Heu als Haufen liegen lassen darfst: freue dich über Untermieter wie Igel und Insekten, oder mach ein Kartoffelheubeet daraus. Falls nicht: wer hat früher den Schnitt entfernt? Die grüne Biotonne wird garantiert nicht reichen, und die Nachbarn werden es auch nicht gut finden. Hier helfen wieder Gespräche mit dem Grundeigentümer und dem beauftragten Grünschnitt-Unternehmen. Heu wiegt weniger als frischer Grünschnitt, es kommt also zu keinen Mehrkosten bei der Entsorgung.

Nimm Kontakt zu Wiesenleuten auf, die diesen Prozess schon durchlaufen haben und wirke bei ehrenamtlichen Pflegeaktionen (z.B. beim Naturschutzbund) mit, um Know-How aufzubauen. Wenn du die Sense im Wiesennetz Univiertel schwingen möchtest, dann freu ich mich über deine Unterstützung bei der nächsten Mahd. Termine werden rechtzeitig bekanntgegeben.

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