Steile Böschung mit der Sense

Auberg steile Böschung Sensenmahd Juni2022

Unsere Stadt könnte manchen Gartenbesitzerinnen eigentlich Geld zahlen: als Erzeuger kühlen Odems und Biodiversität für alle. In solch einem atmosphärischen Garten, einem Mehrgenerationenprojekt, wo jedes Eckerl eine Geschichte und auch eine eigene Tierwelt hat, bin ich eingeladen. Keine Neuanlage kann mithalten mit dem durch Bedürfnisse der Besitzerinnen langsam entstandenen Arrangement aus alten Bäumen, Teich, Hecken, Blumenwiese, Hochbeeten und Kieswegen.

Auberg steile Böschung Juni2022

Im Garten gibt es einen Ort, der pflegerisch allerdings eine Herausforderung ist: eine sehr steile und auch hohe Böschung, recht feucht und mit Moosen bewachsen, darüber wachsen Kräuter und Gräser.

Agnes erzählt mir von den abenteuerlichen Unternehmungen ihrer Vorfahren, um diese Böschung zu mähen. Denn mähen muss man, sonst steht dort bald ein Wald und vorbei ist es mit den Wiesenblumen. Sie beschreibt alleinfahrende Rasenmäher, die über eine Seilkonstruktion hinuntergeleitet wurden, Motorsenseneinsätze mit meterweit fliegenden Trümmern, gefährliche Aktionen mit schwerem Gerät, deren Betrieb kaum Spaß gemacht hat. Gott sei Dank hat Agnes diesen Abhang nicht aufgegeben und mit Bodendeckern aus dem Supermarkt eine vermeintlich pflegeleichte Variante gewählt.

Ich hab mir länger überlegt, wie man so eine Fläche mit der Sense angeht, und trete mit leichtem Herzklopfen vor die Böschung. Schräg nach oben mähen, parallel mähen, von unten nach oben? Und wie steigt man auf den empfindlichen Boden, ohne zu zerstören und selbst zu verunfallen? Wie lang soll das Sensenblatt sein, wie hält man den Sensenwurf?

Mit der Mahd beginne ich am unteren Ende und arbeite mich parallel zur Oberkante Streifen für Streifen empor. Teilweise muss ich das bergwärts gelegene Bein so weit anwinkeln, dass es leichter ist, zu knien. Der verstellbare Holz-Sensenwurf bewährt sich, denn ich kann auf dem rechten Griff umgreifen. Ich nehme ein leichtes Sensenblatt mit nur 65 cm Länge, eine Fliegengewichtsense, deren Gewicht sich nicht anhängt, wenn die Sense wieder bergan gehoben werden muss. Anstrengend ist es vor allem für die Beine, ich brauche nach jedem Streifen ein kleines Päuschen auf der Ebene.

Als „Steigeisen“ probiere ich Schuhspikes mit Noppen, die ich über meine Wanderschuhe ziehe. Schnell zeigen sich Vor und Nachteile: ich hab guten Halt, ohne den ganzen Hang mit echten Steigeisen zu perforieren, aber die gummiartige Unterkonstruktion, wo die Spikes anmontiert sind, verschiebt sich während der gleichmäßigen Bewegung auf der Schräge und rutscht von der Schuhsohle auf die Oberseite. Hier muss ich noch tüfteln und eine bessere Methode finden.

Die Mäh-Aktion dauert insgesamt nur eine Stunde. Eine gesunde Stunde Step-Aerobic. Mein Fazit: es funktioniert auf steiler Böschung wunderbar mit der Sense, auch ohne Bergerfahrung. Vergiss Motorentechnik, es geht wirklich ohne.

Und unter einem alten Nussbaum am Fuße der kühlen Böschung trinken wir noch Kaffee und Hollersaft, bevor es wieder hinaus geht in die heißen Häuserschluchten unserer Stadt.

Hast du auch eine steile Böschung? Schreib in die Kommentare und teile deine Erfahrungen!

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